BretterWelt spielt "Die zwölf Geschworenen"

BretterWelt hat sich nach zwei Komödien in diesem Jahr für November (16., 22. und 23.) für ein ernstes Schauspiel entschieden. Es ist Reginald Roses "Die zwölf Geschworenen" (Twelve Angry Men), für die deutsche Bühne dramatisiert von Horst Budjuhn.

Das Werk des amerikanischen Autors ist durch seine Herangehensweise an umstrittene und politische Fragestellungen gekennzeichnet. Er bevorzugt die realistische Schreibweise. Sein berühmtestes Werk ist das Justizdrama "Die zwölf Geschworenen", 1954 als Fernsehspiel, 1957 als Kinofassung von Sidney Lumet mit Henry Fonda in der Hauptrolle. Rose erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem mehrere Emmy Awards.

Die Theaterfassung wurde in Deutschland 1958 in München aufgeführt.

Die Handlung beruht auf einem authentischen Fall. Ein 19jähriger Puertoricaner steht vor Gericht, weil er seinen Vater erstochen haben soll. Ihm droht im Falle des Schuldspruchs die Hinrichtung durch den elektrischen Stuhl. Dass er zur Tatzeit im Kino war, wie er behauptet, glaubt man ihm nicht. Andererseits wollen ihn ein Mann und eine Frau zur Tatzeit am Tatort gesehen haben. Nach der Gerichtsverhandlung ziehen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. Sie müssen zu einem einstimmigen Ergebnis kommen.

Bei ihrer ersten Abstimmung stellen sie fest, dass einer von ihnen wider Erwarten "nicht schuldig" auf seinen Zettel geschrieben hat. Diese Person weist auf die Widersprüche in der Argumentation des Staatsanwaltes hin, die der Pflichtverteidiger übersehen hatte.

Den lästigen Abweichler wollen die meisten der anderen elf Geschworenen umstimmen, um die Sache so rasch wie möglich hinter sich zu bringen, zumal es sich um einen unerträglichen heißen Sommertag handelt. Es kommt zu einer zunehmend hitzigen Debatte, in der immer deutlicher wird, dass die Zusammenhänge doch nicht so simpel sind, wie es den auf eine schnelle Entscheidung ausgerichteten, von Vorurteilen geleiteten Geschworenen zunächst erschien.

Hintergrund: Mit diesem Stück hat der Autor das amerikanische Gerichtsverfahren mit dem Geschworenenurteil in Frage gestellt, denn nur zu deutlich wird, welche unterschiedlichen Motive und unreflektierten Denkschablonen mit den unterschiedlichen Charakteren das Urteil von Geschworenen beeinflusst, wie wichtig es daher ist, anderen zuzuhören, gerade, wenn sie abweichende Meinungen vertreten, geht es doch um Leben oder Tod eines Menschen. Das Stück gilt bei Soziologen und Psychologen bis heute als ein Musterbeispiel von gruppendynamischen Prozessen, von Rollen- und Gruppenverhalten insgesamt.

Realisierung für BretterWelt: Das Stück ist ausschließlich mit Männern besetzt und wird der heutigen Situation der Geschlechter nicht mehr gerecht. Insofern haben wir dort, wo es rollenmäßig vom Charakter möglich war, 6 Rollen mit Frauen besetzt. Gitte Habermann wird die Rolle, die Henry Fonda im Film gespielt hat, übernehmen. Thomas Stolze wird neben der Regie seit längerer Zeit wieder eine Rolle übernehmen, in diesem Fall der Kontrahent von Gitte Habermann. Thomas Stolze wird auch beim Bühnenbild Vorschläge machen.

Ziel von BretterWelt: Für unser Publikum sollte wie beim Film eine ähnliche Wirkung eintreten, nämlich dass das, was im Film in 96 Minuten (auf dem Theater etwas länger) sich zuträgt, so intensiv ist, dass die Menschen im Publikum am Ende den Eindruck haben, man habe fast einen halben Tag in diesem Geschworenenzimmer zugebracht.


Aufführungen in der Agora des Schulzentrums Uetze:

  • Premiere am Samstag,
  • 16. November 2018, 19:30 Uhr
  • 2. Aufführung am Freitag,
  • 22. November 2018, 19:30 Uhr
  • 3. Aufführung am Samstag,
  • 23. November 2018, 19:30 Uhr